Zunächst als Computeringenieurin ausgebildet, entschied sich Mariam Issoufou erst mit Anfang dreißig für einen Neustart in der Architektur. Ihren Mastertitel in Architektur erlangte sie 2013 an der University of Washington. Seither erforscht sie in ihren vielfach auf ihr Heimatland Niger konzentrierten Projekten die Verwendung von lokalen Baumaterialien und -techniken sowie die Möglichkeiten gesellschaftlicher Begegnung im öffentlichen Raum. Zu den realisierten Bauten zählen der Hikma Community Complex im nigrischen Ort Dandaji und der Wohnkomplex Niamey 2000 in der Hauptstadt von Niger. Mariam Issoufou Architects halten Büros in Niamey, New York City und Zürich. Als akademische Mentorin ist Mariam Issoufou allerdings mehr noch als hinsichtlich ihrer bisherigen Praxis für ihr Engagement im Bereich der intersektionalen Nachhaltigkeit, also der Verbindung von Umweltthemen und sozialer Gerechtigkeit, bekannt geworden. An der ETH Zürich lehrt sie seit 2022 als Professorin für Architektonisches Erbe und Nachhaltigkeit.
Creator of the Year – Mariam Issoufou
Jurybegründung
Mariam Issoufou erhält den Titel „Creator of the Year“ für ihren erstaunlichen und engagierten Werdegang sowie ihr Wirken, das weit über die Architektur hinaus in die Gesellschaft hinein reicht. Innerhalb weniger Jahre hat sich die nigrische Architektin als eine der bedeutendsten Vertreter*innen einer sozialen und nachhaltigen Stadtentwicklung auf dem afrikanischen Kontinent etabliert und trägt damit zur Entfaltung postkolonialer Identitäten bei. Ein entscheidender Bestandteil davon ist die Interpretation von traditionellen und im Grundsatz ressourcenschonenden Bauweisen – etwa unter Verwendung von Stampflehm und Lehmziegeln – zu zeitgenössischen Komplexen mit gesellschaftlicher Strahlkraft. Ihre Erkenntnisse über den Weg hin zu einer zukunftsoptimistischen Baukultur aus afrikanischer Sicht teilt Issoufou als Professorin für Architektonisches Erbe und Nachhaltigkeit an der ETH Zürich, aber auch innerhalb von Ausstellungen wie zur Architekturbiennale 2023 in Venedig. Ein Schwerpunkt ihrer Lehre liegt dabei auf Fragen der Dekolonisierung, auf Überlegungen, wie sich tiefverwurzelte Annahmen, kolonialisiertes Wissen und Denkweisen in Forschung, Lehre und Praxis überwinden lassen. Ihr vielfältiges Werk und ihr engagiertes Wirken auf unterschiedlichsten Ebenen verdienen eine besondere Ehrung! Von ihr können, nein, sollten nicht nur jüngere Architekt*innen, sondern auch ältere Generationen unbedingt lernen.
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