TRENDREPORT 2025
Aus der Architektur übernommen: Wie flexible Innenarchitektur urbane Räume rettet
Architektonische Strategien wie modulare Planung, reversible Konstruktionen und geschlossene Materialkreisläufe haben längst ihren Platz in der Baupraxis gefunden – und werden nun vermehrt von der Innenarchitektur aufgegriffen. Für Innenarchitekt:innen eröffnet sich damit ein erweitertes Werkzeugset: Räume lassen sich nicht mehr nur für eine aktuelle Nutzung entwerfen, sondern als offene Systeme, die zukünftige Veränderungen mitdenken.
Dabei rücken Materialien in den Vordergrund, die bislang vor allem im architektonischen Maßstab eingesetzt wurden: vorgefertigte Holzmodule, die sich ohne Substanzverlust mehrfach umbauen lassen; Massivholz- oder Lehmbauteile, die raumklimatisch wirksam sind und zugleich sortenrein rückgebaut werden können; wiederverwendete Ziegel oder Naturstein, deren Patina gestalterischen Mehrwert schafft; sowie biobasierte Verbundwerkstoffe, die im Innenraum neue Formate und Anwendungen finden. Auch das bewusste Sichtbarmachen von Fügungen – Schraubverbindungen statt Klebstoff, Stecksysteme statt Versiegelung – erleichtert nicht nur die spätere Anpassung, sondern wird selbst zum gestalterischen Ausdruck. Gerade in urban verdichteten Kontexten, wo Flächen kostbar und der Nutzwert im Wandel sind, wird der Innenraum so zur flexiblen Ressource – strategisch geplant, materialbewusst und gestalterisch präzise ausgeführt.
Shiyefengwu Shuncheng Store
In Kunming nutzte Studio D’Arkwave diese Prinzipien, um auf nur 108 Quadratmetern im fünften Obergeschoss eines Marktes einen wandelbaren Store-Innenraum zu realisieren. Drei zentrale Fixpunkte – eine abstrahierte Yunnan-Karte als Wandinstallation, eine rotierende Ausstellungsplattform und eine gemeinschaftliche Kücheninsel – strukturieren den Raum. Darum gruppieren sich Module für Warenpräsentation, Pop-up-Stände und Loungebereiche, gefertigt aus einem wiederholbaren „Brick + Wood“-System. Verschraubte Stahlstangen und Muttern halten die Bauteile zusammen und machen sie vollständig demontier- und rekonfigurierbar.
Licht dringt durch vertikale Fugen ins Innere, Blickachsen bleiben offen, und die Möblierung variiert in Höhe und Position, um subtile Bewegungslenkung zu ermöglichen. Innerhalb von nur fünf Wochen entstand so ein Innenraum, der sich jederzeit auf neue Programme einstellen kann – vom Verkaufsraum über Ausstellung bis hin zum Veranstaltungsort.
MO de Movimiento
In Madrid setzte Designer Lucas Muñoz Muñoz auf einen radikal zirkulären Ansatz: Eine ehemalige Industriehalle wurde zu einer Gastronomie- und Kulturstätte transformiert, ohne auf neue Materialien zurückzugreifen. Nahezu alles – von Stühlen bis zur Bar – besteht aus wiederverwendeten Elementen des abgerissenen Bestands oder aus Fundstücken. Selbst die Klimaarchitektur folgt dieser Logik: Große Terracotta-Volumen dienen als Wärmespeicher und passive Kühlung, verbinden Materialästhetik mit funktionaler Effizienz.
Die Raumorganisation bleibt offen, Möblierung und Installationen sind mobil und veränderbar. Der sichtbare Alterungsprozess der Materialien wird nicht kaschiert, sondern als gestalterischer Wert verstanden. Der Innenraum ist hier nicht Endzustand, sondern Prozess – ein Raum, der lebt und sich kontinuierlich anpasst.
Link zu den Projekten:
Contextual Architecture: Ortsbezug statt globaler Beliebigkeit
Die diesjährigen ICONIC AWARDS zeigen deutlich, wie Architekturprojekte mit einem klaren Bekenntnis zum Kontext immer stärker lokale Gegebenheiten – vom baulichen Erbe über das Klima bis zu Bautraditionen – in den Mittelpunkt rücken und daraus eigenständige, ortsverbundene Lösungen entwickeln. Während die globalisierte Architektur noch immer vor allem auf Stahl, Glas und Beton setzt, überzeugen diese ortsspezifischen Ansätze durch ihren reflektierten Umgang mit dem Standort sowie den differenzierten Einsatz von Materialien und Baupraktiken. Gerade in Zeiten von Klimawandel und Ressourcenknappheit entstehen so gestalterisch vielfältige Konzepte für ein verantwortungsvolles, charakteristisches und zukunftsfähiges Bauen: etwa der Weinkeller, der die Topografie der Landschaft aufnimmt oder das Hotel, das sich behutsam um einen jahrzehntealten Baumbestand fügt. Diese Projekte verdeutlichen das konsequente Bekenntnis von Architekt*innen und Bauherr*innen zur Auseinandersetzung mit dem Ort und Grundlage markanter architektonischer Entwürfe. Und damit gehen sie weit über die altbekannte Idee des Genius Loci hinaus – hin zu einer Architektur, die den Ort nicht nur interpretiert, sondern ihn aktiv weiterschreibt.
Trifolium – ein Weinkeller aus dem Gelände heraus gedacht
Der Weinkeller „Trifolium“ in Goriška Brda, Slowenien, wächst aus der Landschaft heraus und wird Teil des Weinbergs. Lendarchitektur integrierte das brüchige Flysch-Gestein als prägendes Element. Mit reduzierter Technik, rohen Materialien und einem kompaktem Grundriss entstand eine Produktionsstätte, die Einfachheit, Respekt vor Natur und Handwerk verkörpert. Durch ein gewölbtes Pfahlsystem konnte auf eine klassische Baugrube verzichtet werden, das Bauwerk fügt sich behutsam in das Gelände ein und ahmt den Hügel nach.
Die kleeblattförmige Grundrissfigur folgt dem Gelände und gliedert die Funktionen in klare Kammern. Sichtbeton und Cortenstahl bilden ein dauerhaftes Ensemble, das ebenso roh und bodenständig wirkt wie der Wein selbst. Der Bauprozess bleibt sichtbar und der Produktionsablauf wird architektonisch ablesbar. Großzügige Öffnungen verbinden Innenraum und Landschaft, Natur und Kultur. Trifolium zeigt, wie Zurückhaltung, Materialechtheit und Ortsbezug Stärke entfalten können.
Jingyang Camphor Court – ein Hotel als Teil des lebendigen Erbes
In Jingdezhen, China, entstand der Hotelkomplex „Jingyang Camphor Court“, der sich in ein ehemaliges Porzellanwerk und den alten Baumbestand einfügt. Die Idee von Vector Architects war es, die bestehenden Gebäude zu erhalten und sie mit neuen Funktionen zu beleben. Von Beginn an stand der Erhalt der jahrzehntealten Kampferbäume im Mittelpunkt. Baukörper, Hofgeometrien und Dachformen wurden so geplant, dass die Bäume unversehrt blieben.
Eine zweigeschossige Holz-Kreuzgangstruktur rahmt die Baumkronen ein und schafft ein intimes Ensemble, das an traditionelle Hofhäuser erinnert. Bestehende Backsteinbauten wurden erhalten und durch neue Volumina ergänzt, die mit warmen Terrakotta-Ziegeln, Sichtbeton und recycelten Materialien, die Porzellan- und Industriegeschichte Jingdezhens zitieren. Zwischenräume, Höfe und Veranden verweben sich mit dem Bestand und formen ein soziales Gefüge, das aus dem Ort selbst hervorgeht.
Ferrocarril de Cuernavaca 780 – Verdichtung mit Respekt vor dem Kontext
Das Hochhaus Ferrocarril de Cuernavaca 780 in Mexiko-Stadt zeigt, wie Architektur auf komplexe Umgebungen reagieren kann, ohne ihren Charakter zu verlieren. Auf einem lange ungenutzten Grundstück errichtete HEMAA ein präzise abgestimmtes Gebäude und ließ bewusst Fläche zur Erweiterung des benachbarten Parks frei. Der Kontext wird somit nicht nur berücksichtigt, sondern aktiv bereichert. Der Turm greift die klassische Hochhaustypologie mit Sockel, Schaft und Abschluss auf. Materialien wie Stahl und Glas verweisen auf den industriellen Kontext. Im Inneren sorgt ein robotergestütztes Parksystem für eine effiziente Raumnutzung, während die Nutzung des Erdgeschosses mit Café und Läden den öffentlichen Raum aktiviert. Das Projekt versteht sich als Teil einer städtebaulichen Transformation: Aus dem ehemaligen Bahnareal ist ein lebendiges Quartier entstanden. Es greift die Geschichte des Ortes auf und schafft ein flexibles, energieeffizientes Gebäude, das eine neue Identität stiften kann.
Fink Restaurant & Suites – Zeitlose Architektur mit Seele
Im Herzen der Brixner Altstadt wurde das 600 Jahre alte Stadthaus „Fink“ von Asaggio Architekten mit größtem Respekt vor seiner historischen Substanz saniert. Freigelegte Steinmauern und Rundbögen bilden das Fundament eines reduzierten und fein abgestimmten Designs, das den Charakter des Gebäudes nicht überformt, sondern bewusst zur Geltung bringt. Hier zeigt sich „Contextual Architecture“ als sensibler Dialog mit dem Bestand: Die Architektur integriert die Geschichte nicht nur formal, sondern macht sie auch räumlich erlebbar. Die Verbindung aus einfacher Formensprache, natürlichen Materialien und nachhaltigem Denken lässt ein stimmiges Gesamtensemble entstehen, das tief im lokalen Kontext verwurzelt ist. Als Haus mit familiärer Geschichte versteht sich „Fink“ auch als Ort der Erinnerung und Achtsamkeit – in der Architektur ebenso wie im monastisch inspirierten Küchenkonzept. Vergangenheit und Gegenwart treten in einen ruhigen, respektvollen Einklang.
Weitere spannende Projekte sind:
Klaura | Horvath Lendarchitektur ZT GmbH, Trifolium
Brick is back: Die Renaissance des rohen Ziegelsteins
Ziegel feiert seit geraumer Zeit ein bemerkenswertes Comeback – nicht als nostalgisches Zitat, sondern als bewusste, materielle Haltung. In der heutigen Planungskultur gewinnt die Materialwahl zunehmend an strategischer Bedeutung – sie wird ganzheitlich entlang des gesamten Lebenszyklus bewertet: von der Rohstoffgewinnung und lokalen Verfügbarkeit über den Energieaufwand in der Herstellung bis hin zur Dauerhaftigkeit, Recyclingfähigkeit und Rückführung in den Stoffkreislauf. In diesem Kontext behauptet sich der Ziegel als einer der robustesten und zugleich wandlungsfähigsten Materialien – nicht trotz, sondern gerade wegen seiner traditionellen Fertigung und jahrhundertealten Anwendung im monolithischen Mauerwerk.
Neue Projekte zeigen, wie der Ziegel sowohl urbane Silhouette und ländliche Baukultur als auch vielfältig gestaltete Innenräume prägt: Außen strukturiert er Fassaden mit tektonischer Klarheit und einer Oberfläche, die im Laufe der Zeit zunehmend an Charakter gewinnt. Innen entfaltet der Baustoff seine Wirkung vor allem als identitätsstiftendes Element, das mit seiner natürlichen Textur und archaischer Optik neben räumlicher Tiefe und Charakter durch raumklimatische und akustische Qualitäten überzeugt: Als diffusionsoffener Baustoff wirkt Ziegel feuchtigkeitsregulierend, trägt zur thermischen Trägheit bei und verbessert mit seiner strukturierten Oberfläche die akustische Dämpfung – insbesondere in reduzierten Raumkonzepten mit hohem Anteil mineralischer Oberflächen.
Mit Eigenschaften wie hoher Speichermasse, Tragfähigkeit, Witterungsbeständigkeit und Feuerresistenz rückt der Ziegel wieder stärker ins Zentrum (innen-)/architektonischer Aufmerksamkeit. Doch das „Brick-Revival“ ist kein unreflektierter Rückgriff auf altbekannte Bauweisen. Seine Herstellung mittels energieintensiver Brenntechnologie, der massive Eingriff in Landschaften für den Tonabbau und das hohe Transportgewicht machen den Ziegel diskussionswürdig und treiben Entwicklungen wie Recyclingziegel oder CO₂-reduzierte Alternativen auf Geopolymerbasis voran.
Ziegel im Interior Design: Modularität und zirkuläres Gestalten
Zwei herausragende Projekte, die im Rahmen der diesjährigen ICONIC AWARDS ausgezeichnet werden, zeigen eindrucksvoll, wie flexibel und atmosphärisch dieser traditionelle Baustoff im Innenraum eingesetzt werden kann.
Im SHIYEFENGWU Store von Tuo + Urban Wave (China) wird der Ziegel zum modularen Gestaltungselement im Innenraum. Regale, Podeste und Trennwände bestehen aus „Ziegel/Holz“‑Modulen deren Bestandteile verschiebbar und höhenverstellbar sind. Zum Einsatz kommen gezielt Lochziegel, die durch ihr geringeres Gewicht besonders für flexible Innenraumanwendungen geeignet sind. Zusätzliche horizontale Hohlräume in den Ziegelmodulen erhöhen die Transparenz und brechen die Materialität visuell auf – so entsteht eine lichtdurchlässige Raumwirkung. Sichtbare Verbindungen verleihen dem Ensemble einen industriell-handwerklichen Charakter.
Auch der spanische Designer Lucas Muñoz Muñoz, der im Rahmen der diesjährigen ICONIC AWARDS als „Interior Designer of the Year“ ausgezeichnet wird, setzt Ziegel gezielt als wiederverwendetes Gestaltungselement ein – etwa im Restaurant MO de Movimiento in Madrid. Dort stammen alle Ziegel aus dem Bestandsbau und wurden als Wandverkleidung, Sitzmöbel oder Raumtrenner neu interpretiert. Statt verkleidet zu werden, bleibt der Ziegel in seiner rohen Form präsent. Der Einsatz des Ziegels bringt das Designverständnis von Lucas Muñoz Muñoz auf den Punkt: ein Gestaltungsansatz, der auf Bestehendem aufbaut, Wandel zulässt und zirkulär funktioniert.
Kulturelle Identität und Klimaregulierung durch wiederverwendete Ziegel – der „Hui Space“ in Hohhot
Im „Hui Space“ im chinesischen Hohhot wird der Ziegel zum zentralen Gestaltungselement – funktional wie kulturell. Das 2023 von Zhang Pengju entworfene Community-Zentrum vereint lokale Bautraditionen mit nachhaltiger Bauweise. Kein Stein wurde neu gebrannt – sämtliche Ziegel stammen aus dem Abriss lokaler Gebäude und wurden vor Ort wiederverwendet. Sie bilden das tragende Gerüst und regulieren das Raumklima durch Wärmespeicherung und Feuchtigkeitsaustausch. Ergänzt durch eine Flugasche-Dämmung entsteht ein ressourcenschonender, langlebiger Bau, der zeigt: der Ziegelstein beweist sich als zeitgemäßer Baustoff immer wieder neu.
Ziegel als Brücke zwischen Alt und Neu – Kulturraum in Flix von Camps Felip Arquitecturia
In Flix (Spanien) verwandelte das Büro Camps Felip Arquitecturia ein ehemaliges Lagerhaus in einen zeitgemäßen Kulturraum – mit dem Ziegel als verbindendem Element zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die historische Ziegelfassade bleibt erhalten, im Inneren wird das Material vielseitig neu eingesetzt: als Bodenbelag, Wandverkleidung und selbsttragende Struktur. Ein doppelschaliges Wandsystem verbirgt Technik dezent hinter einer Ziegelschale. Seine thermischen Eigenschaften verbessern zudem die Energiebilanz des Gebäudes.
Die bei den diesjährigen ICONIC AWARDS ausgezeichneten Projekte verdeutlichen: Der Ziegel ist weit mehr als nur ein Baustoff – er verbindet kulturelle Kontinuität mit funktionaler Intelligenz und schafft eine atmosphärische Präsenz, die Innen- und Außenräume gleichermaßen prägt.
Zu den Gewinner-Projekten:
Studio D'Arkwave, Interior of Shiye Fengwu Shuncheng Store
Camps Felip Arquitecturia, Flix
Inner Mongolian Grand Architecture Design Co., Ltd., Hui Space
Neukodierung des Gebauten
Das Gedächtnis der Architektur besteht aus den Spuren ihrer Entstehung und Nutzung, die sich am Gebäude ablesen lassen. Es zeigt sich als historisch gewachsenes Geflecht, in dem Funktion und Bedeutung, geschichtete Materialien, Raumgefüge, Atmosphären und gesammeltes Wissen miteinander verwoben sind. In der kulturellen Umnutzung erfährt dieses Geflecht eine neue Dimension: Aus Räumen, die einst spezifischen Macht- oder Produktionslogiken dienten, werden Orte, die in offenen, zukunftsorientierten Programmen gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Architekten auf der ganzen Welt widmen sich der tiefgreifenden Auseinandersetzung mit der historischen Substanz, um Narrative zu erkennen und weiterzudenken, die sich in Fassaden, Räumen, Proportionen und Patina eingeschrieben haben.
Einige Preisträger*innen der diesjährigen ICONIC AWARDS zeigen uns, wie das Bauen im Bestand als lebendige Projektionsfläche nicht nur einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit Bausubstanz leistet, sondern kollektive Erinnerung und gesellschaftliche Offenheit intelligent verbindet.
The Pyramide of Tirana – vom politischen Monument zum offenen Begegnungsraum
Die Pyramide von Tirana wurde von MVRDV Architekten in ein lebendiges Kulturzentrum transformiert. Ursprünglich als autoritäres Denkmal errichtet, diente sie nach dem Ende des Kommunismus unter anderem als Konferenzort, Bürogebäude und während des Kosovokriegs als NATO-Hauptquartier. Nach Jahren des Verfalls sicherte ein Referendum ihren Erhalt – mit dem klaren Ziel, einen offenen Lern- und Begegnungsort für junge Menschen zu schaffen.
Heute ist die Pyramide ein frei zugänglicher Kulturpark und Bildungszentrum, eröffnet nach der vollständigen Umgestaltung im Jahr 2023. MVRD ließ die ursprünglichen Betonflanken erhalten und ergänzte sie durch umlaufende Treppen. Zahlreiche bunte, quaderförmige Boxen befinden sich in und um die Pyramide herum mit Räumen für Veranstaltungen und Bildungsangebote. Ihre wie zufällig platzierte Anordnung durchbricht die einstige monolithische Brutalität des Gebäudes. Neu errichtete Treppen ermöglichen das Erklimmen der Pyramide, was jahrzehntelang unerlaubterweise praktiziert worden war. Durch die Kombination von respektvollem Erhalt der Bausubstanz, der Ergänzung neuer Räume und einer Öffnung für den öffentlichen Raum schufen die Architekten einen Ort, der Geschichte sichtbar werden lässt und zugleich ein buntes Zentrum für kulturellen Austausch ist.
Hagen-Haus – Alte Mauern, neuer Ton
Das Hagen‑Haus in Nendeln, ein klassizistisches Wohn- und Nebengebäudeensemble aus dem Jahr 1837, wurde von Cukrowicz Nachbaur Architekten in einen lebendigen kulturellen Ort verwandelt. Die denkmalgeschützten Strukturen, bestehend aus Wohnhaus, Stallscheune, Waschhaus und Schützenhäuschen, wurden behutsam zu einer internationalen Musikakademie transformiert. Im ehemaligen Wohntrakt befinden sich nun Studierenden- und Übungsräume, der Dachboden dient als Loft für die Professor*innen. Die Stallscheune wurde in einen Kammermusiksaal umgewandelt. Ein neuer, eingeschossiger Hofbau ergänzt die Anlage als Foyer mit Gemeinschafts- und Serviceflächen und verwebt so die verschiedenen Bauteile funktional miteinander. Verstellbare Holzlamellen ersetzen die historischen Holzverschalungen und vermitteln zwischen Alt und Neu, während differenzierte Gartenbereiche den Baukörper mit dem umliegenden Landschaftsraum verknüpfen und offene Übergänge schaffen. Die sorgfältig abgestimmte Material- und Formensprache sorgt für atmosphärische Kohärenz – ein Ort, der heute als internationale Musikakademie zur kulturellen Lebendigkeit im ländlichen Kontext beiträgt.
Flix Kulturzentrum – Industrie trifft auf kulturelle Resonanz
In Flix (Tarragona) wurde eine historische landwirtschaftliche Kooperative mit großer Sorgfalt zu einem zeitgemäßen Kulturzentrum umgewandelt. Die neue Nutzung steht im Dienst eines schonenden Umbaus, der die Identität des Bestands bewahrt: Die ursprüngliche leere Halle mit ihren charakteristischen Naven bleibt erhalten und bildet den räumlichen Kern eines multifunktionalen Gebäudes. Eine klare, homogene Materialität – vor allem keramisches Adobe – durchzieht die Innenarchitektur und stärkt den einzigartigen Charakter des zentralen Raums. Mit der neuen Raumaufteilung schufen Camps Felip Arquitectura ein Maximum an Flexibilität: Öffentliche Nutzungen wie Bar und Sanitäranlagen wurden bewusst in einer Seitennave untergebracht, sodass die Hauptnave nahezu frei bleibt – ideal für Veranstaltungen und vielfältige kulturelle Nutzungen. Ausgangs- und Zugangsflächen wurden bei der Planung bedacht. So blieb der Haupteingang erhalten und zusätzliche technische Zugänge und ein dritter Ausgang wurden klar und funktional integriert. Es entstand ein lebendiger Raum, der mit minimalistischer Finesse historisches Erbe und heutige Bedürfnisse zusammenführt.
Zu den Gewinner-Projekten: